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Reisebericht 2025 – Auf zwei Rädern durch den Süden

    Mit dem Kopf voll losfahren. Um unterwegs wieder bei mir selbst anzukommen.

    Manchmal reicht’s. Der Kopf ist voll, der Alltag laut – Ich musste raus. Abstand gewinnen. Kein Büro, kein Handy, keine ständigen Rückfragen, keine Termine. Am 20. Mai 2025, morgens um halb neun, öffne ich das Tor. Die Werkhalle bleibt hinter mir.
    Nur ich. Die Maschine. Und Süden.

    Den Bericht schreibe ich allerdings erst jetzt. Kaum war der Kopf wieder frei, holte mich der Alltag ein – jede Menge Arbeit wartete schon auf mich.

    Tag 1: 20.05. – Dresden → Richtung Österreich

    Ich bin allein unterwegs – ganz bewusst. Kein großes Ziel. Nur Kilometer und der Gedanke: weiter. Raus aus der Stadt, durch das Erzgebirge, hinein in die Weite Oberösterreichs. Je südlicher ich komme, desto mehr lässt der Druck nach.

    Am Nachmittag passiere ich Linzerberg 📍 48.341941, 14.413221, ein kleiner Ort nahe Linz. Bauernhöfe, Felder, sanfte Hügel. Hier rauscht kein Verkehr, hier kräht ein Hahn. Ich halte an, schließe kurz die Augen, atme tief durch. Die Landschaft spricht in leisen Tönen – und genau das brauche ich jetzt.

    Ich folge kleinen Landstraßen durch das Salzachtal, über Saalfelden am Steinernen Meer 📍 47.427177, 12.846307, eingerahmt von mächtigen Gipfeln. Die Luft ist klar, der Blick geht in die Weite. Das hier gehört erst mal nur mir.

    Tag 2: 21.05. – Über die Alpen, rein ins Ungewisse

    Ich starte früh. Die Straße schlängelt sich durchs Tal, vorbei an der Mautstation Felbertauerntunnel 📍 47.117290, 12.504721, wo ich kurz halte. Die hohen Berge werfen lange Schatten, die Sonne kommt nur zögerlich durch.

    Wasserfälle, Tunnel, Nebelschwaden – die Landschaft macht keine Kompromisse, und ich auch nicht. Ich konzentriere mich, jede Kurve zählt. Es ist fordernd, aber befreiend.

    Über den Plöckenpass (Passo di Monte Croce Carnico) 📍 46.603054, 12.944856, eine eindrucksvolle Route voller Serpentinen, erreiche ich Italien. Kurvenreich geht es bergab bis zum Fontanon di Timau 📍 46.586708, 12.993602, einer sagenumwobenen Karstquelle – einer Quellform, bei der Wasser aus einem unterirdischen Höhlensystem an die Oberfläche tritt. Typisch für Kalkgebirge, wirkt sie fast übernatürlich klar. Ich halte dort für eine Pause, das Wasser ist eiskalt. Am Nachmittag erreiche ich die Küste nahe Izola 📍 45.542755, 13.686000, Slowenien. Vom Aussichtspunkt blickt man weit über das Meer. Ich entscheide mich spontan, hier die Nacht zu verbringen. Izola empfängt mich mit einem malerischen Altstadtkern, engen Gassen und dem Duft von gegrilltem Fisch aus den Tavernen. Am Abend schlendere ich am Hafen entlang, gönne mir eine lokale Spezialität und ein Glas Weißwein. Der Sonnenuntergang über der Adria – ein stilles Geschenk. Ein kurzes Bild vom Hafen hält den Moment fest. Ich schlafe in einem kleinen Hotelzimmer.

    Tag 3: 22.05. – Istrien. Salz in der Luft, kein Plan im Kopf

    Ich fahre auf meine Tour durch Zambratija, ein ruhiger Ort mit Strand 📍 45.473530, 13.510571. Ich rolle aber schnell weiter und erreiche bald Stele d’Anternale 📍 45.316029, 13.593296, unweit von Novigrad gelegen, ein Parkplatz mit einer eigenwillig blauen Brücke. Daneben ein kleiner Verkaufsstand mit handgemachter Marmelade und Olivenöl – beides direkt aus der Region. Natürlich nehme ich ein Glas Marmelade mit – süß, fruchtig, ein bisschen wie dieser Tag.

    Etwas weiter entdecke ich eine Kirche 📍 45.353413, 13.721882, ein historisches Denkmal abseits der Touristenrouten. Dann erreiche ich am späten Nachmittag Poreč, eine charmante Küstenstadt mit venezianischem Flair. Ich finde ein kleines Zimmer unweit der Altstadt und lasse das Motorrad für heute ruhen. Am Abend spaziere ich durch die engen Gassen, vorbei an pastellfarbenen Häusern, kleinen Boutiquen und uralten Kirchen. Die Euphrasius-Basilika leuchtet im goldenen Abendlicht. Die Luft ist mild, es riecht nach Pinien und Meer. Ich gönne mir eine Pizza bei Willy, einer kleinen Pizzeria etwas abseits des Trubels, mit Blick auf den Sonnenuntergang. In diesem Moment scheint alles ganz einfach zu sein – und das fühlt sich gut an. Ich bleibe lange wach, schreibe ein paar Zeilen in mein Notizbuch und lasse den Tag langsam ausklingen.

    Tag 4: 23.05. – Regen. Wut. Weitermachen

    Der Himmel über Poreč ist grau, es tröpfelt leicht, als ich früh am Morgen losfahre. Je weiter ich mich von der Küste entferne, desto dichter wird der Regen. Ich kämpfe mich durch nasse Kurven, doch kurz vor Pula klart es auf. Ich nutze die Regenpause, halte an und schaue mir das berühmte Kolosseum an. Es wirkt bei grauem Himmel fast noch majestätischer – menschenleer, fast still. Dann ziehe ich weiter Richtung Osten, denn die dunklen Wolken holen mich bald wieder ein.

    Es gießt inzwischen. Die Fahrt nach Rijeka fühlt sich an wie ein einziger langer Tunnel aus Gischt, grauem Beton und verwaschenen Lichtern. Die Industriehäfen wirken noch trostloser als sonst, die Straßen glänzen ölig-schwarz.

    In Plomin 📍 45.138641, 14.179752, einem alten Küstenort mit Blick auf die Bucht von Kvarner, klart es mal wieder kurz auf. Ich halte an einem verlassenen Rastplatz, setze mich auf die Lehne einer Bank. Für ein paar Minuten schweigt sogar der Wind.

    Kurz vor Sonnenuntergang komme ich oberhalb von Golovik 📍 45.199478, 14.232966 an. Die Luft riecht nach Regen und warmem Asphalt. Eine neapolitanische Pizza mit Burrata, Mortadella und einem Hauch Pesto – hab ich mir heut verdient für diesen nassen Tag. Mehr brauche ich heute nicht.

    Tag 5: 24.05. – Kroatien von oben. Staub, Wind und Weitblick

    Der Regen hat aufgehört, der Himmel ist klar. Ich nehme eine Nebenstraße in Richtung Küste, folge den Serpentinen bergauf zum Aussichtspunkt Vidikovac Fortica 📍 44.323807, 15.260691. Der Blick von oben ist gewaltig – das Meer liegt still, als würde es schlafen. Ich atme tief ein. Dieses Panorama kann man nicht fotografieren. Man muss es fühlen.

    Die Straße führt weiter durch kleine Dörfer. Ich halte hier und da für einen Kaffee, mache ein paar Fotos vom Motorrad vor altem Gemäuer. Ein Tag zum Treibenlassen. Ich unterhalte mich kurz mit einem älteren Mann über mein Motorrad – er zeigt auf seine Vespa, lacht, klopft mir auf die Schulter. Gegen Abend erreiche ich wieder eine Pension mit Blick aufs Wasser. Ich bin müde, aber zufrieden. Kein Regen. Kein Lärm. Nur das Brummen des Motors, das Klacken des Hauptständers beim Abstellen. Ein guter Tag.

    Tag 6: 25.05. – Slowenien ruft. Und der Abschied naht

    Ich überquere am Morgen die Grenze nach Slowenien und rolle Richtung Cvetlin. Auf einem Hügel liegt der kleine, verlassene Friedhof 📍 46.289845, 15.956464. Ich halte an. Wildblumen, alte Steine, keine Menschenseele. Ich setze mich für einen Moment auf die Mauer, trinke Wasser, sage nichts. Irgendetwas hier bringt mich zur Ruhe.

    Später fahre ich nach Ptuj – Mittagspause am Flussufer. Ich beobachte Kinder, die Steine ins Wasser werfen, während ich ein Sandwich esse. Weiter geht’s in Richtung Graz 📍 47.071705, 15.437533, wo ich ein Hotel in der City finde. Das Motorrad bekommt einen überdachten Platz. Ich mache noch einen Spaziergang zum Uhrturm, genieße den Blick über die Stadt und gönne mir danach eine lange Dusche. Müde, zufrieden, leer – aber irgendwie auch voll mit Eindrücken.

    Tag 7: 26.05. – Zurück nach Dresden

    Früh los, keine Fotos, keine Pausen. Die Autobahn zieht sich wie ein Band durch das Land. Ich lasse alles Revue passieren. Jede Kurve, jedes Rauschen im Helm, jeder Moment.

    Am späten Nachmittag rolle ich auf den Hof in Dresden. Zündung aus. Helm ab. Blick in den Himmel.

    Der Lärm da draußen – ist noch da. Aber in mir ist es leiser geworden. Und vielleicht reicht das erstmal aus.

    Fazit

    Sieben Tage, über 2.500 Kilometer, unzählige Eindrücke – diese Reise war mehr als nur eine Flucht aus dem Alltag. Sie war ein stiller Protest gegen das Tempo, das uns sonst antreibt, und ein bewusstes Abtauchen in Landschaften, Geräusche und Momente, die im Lärm des Gewohnten oft untergehen.

    Vom ersten Aufbrechen bis zum letzten Abstellen des Motors war jeder Tag ein kleines Stück Rückeroberung – von Zeit, von Raum, von mir selbst. Ich habe Berge durchquert, Küstenstraßen befahren, Städte erlebt und stille Orte gefunden. Manche Augenblicke waren laut und fordernd, andere leise und heilsam. Und genau in dieser Mischung lag die Kraft der Reise.

    Jetzt, zurück im Alltag, bleibt etwas von dieser Stille. Nicht greifbar, aber spürbar – wie das Echo eines Motors in den Bergen.

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